Dunklen Stadt Fotograf

36 ALSTER-MAGAZIN NR. 12 2016 ALSTER MAGAZIN L O C A L P E O P L E Der Fotograf Tom Krausz hat zufällig was Neues erfunden: einen Hamburg-Bilder-Krimi im Stil des Film Noir. Der 65-jährige Hambur- ger stellte das Buch im Abaton vor. Wir fragten, wie es dazu kam. Ich liebe den Film Noir der 1940er- und 1950er-Jahre. Er ist spannend erzählt, etwa Der Dritte Mann oder alleine Humphrey Bogart er war mein Held , aber vor allem perfekt in schwarz-weiß mit coolen Szenen inszeniert. Auf diese Art und Weise wollte ich unbedingt Hamburg fotografieren, erklärt Tom Krausz. Hamburg ist doch auch eine bekannte Filmstadt, da müsse es doch Motive ohne Ende geben, dachte sich der Fotograf und machte sich an die Arbeit. An der Alster und der Elbe, in der Speicherstadt und im Hafen, sowie an weiteren bekannten Locations. Aber aus neuer, anderer Perspek- tive aufgenommen im Stil des angesprochenen Film Noir. Die alten Filme dienten mir als Vorlagen. Ihr Kennzeichen war damals eine leicht negierende Welt - einstellung alles ist furchtbar, es gibt auch stets einen verzweifelten Held und neue Kameraeinstellungen; schräg von unten mit harten Lichteffekten. Auf diese Art entstanden viele oft sehr düster wirkende Fotos der Hansestadt. Und Tom Krausz hat für sich Neues ent - deckt: Weil ich die rotzigen Stellen der Stadt gesucht habe. Nicht das Vorzeigehamburg, sondern Stellen, an denen damals so ein Krimi gespielt hätte haben können, etwa an Brücken, die saniert werden müssen und nicht an Brücken, die es schon sind. Neben den dunklen Ecken gibt es aber natürlich auch die schönen und eleganten. Hamburg halt. Dann gab es aber ein Problem mit dem Projekt, das vor gut zwei Jahren begann. Ich habe gemerkt, dass in einem Buch nur eine Aneinanderreihung von einzelnen Bildern entstehen würde, die nicht funktioniert. Deswe- gen habe eine Geschichte geschrieben, die die Bilder verbindet, erklärt der Fotograf, der schon Bücher zusammen mit Elke Heidenreich (u.a. über Verdi) und Iris Berben (über Jerusalem) veröffentlicht hat. Aber immer als Fotograf, jetzt hat der Lemsahler seinen ersten Krimi geschrieben. Und damit das Genre Bild- Krimi erdacht, das es in dieser Form wohl noch nicht gab. Neben den Bildern natürlich auch textlich voller Film Noir-Klischees: Es gibt auch bei mir den lone some guy, mit hochgestellten Trenchcoat-Kragen. Das ist bei mir Privatdetektiv Paul Ness, der das Rätsel um eine verschwundene Frau lösen muss. Angeschwärmt von einer verdächtigen Blondine. Das nächste Klischee, genau wie ein stinkalter, reicher Mann, der die Fäden in der Hand hält, sagt Tom Krausz lächelnd, der Lust auf eine Fortsetzung hat. Kai Wehl Der Lemsahler Fotograf Tom Krausz hat einen Hamburg-Bild-Krimi geschaffen, im Stil des Film Noir. Hamburg Noir Die verschwundene Frau , Tom Krausz, Koehler Verlag, Hardcover, zahlreiche s/w-Abbildungen, 136 Seiten, 24,95 Euro Die Stadt Er geht auch dunkel, der Hamburger Dom. Tom Krausz hat die Stadt etwas düsterer als üblich fotografiert. im Dunklen