Schaarhörn Zwei Poppenbüttler

44 | ALSTERTAL MAGAZIN POPPENBÜTTEL Zwei Poppenbüttler auf der Schaarhörn Es ist eines der markantesten Schiffe im Hafen und hat eine spannende Geschichte : die Schaarhörn. Denn der kohlebefeuerte Staatsdampfer sorgte nach seinem Bau im Jahre 1908 für ähnliche Diskussionen wie die Elbphilharmonie heute. Warum und welche unglaublichen Bezüge der Poppenbüttler Ralf Fröhlich zur Schaarhörn hat, verriet er dem Alstertal Magazin. W enn die Schaarhörn im Hafen vor der Elb-philharmonie entlangschippert, werden wohl die wenigsten wissen, dass gerade zwei Skandale Hamburgs vereint sind. Als das 1907 von der Stadt beauftragte Vermessungsschiff ein Jahr später für den damals unfassbar hohen Preis von 220.000 Goldmark fertiggestellt war und wie ein weißer stolzer Schwan im Hafen lag, fragte sich so mancher Abgeordneter, wozu diese Geldverschwen- dung erforderlich gewesen sein soll. Die Stadt nicht, sie hatte die Gelegenheit genutzt, ein Schiff zu bauen, das nicht nur im Bereich des Hamburger Hafens Tiefenmessungen durchführt, sondern das gleichzeitig auch als repräsentati - ver Staatsdampfer hohe Staatsgäste wie Kaiser Wilhelm II beeindrucken sollte. Es hatte deswegen mehr Luxus abbekommen als die meisten Hamburger in ihren Wohnun- gen vorfanden. Etwa elektrisches Licht, eine Zentralheizung und einen eleganten hölzer- nen Senatorensalon mit Jugendstilglasde - cke. Das fanden Teile der Bürgerschaft gar nicht witzig. Um lästigen Diskussionen zu entgehen, beschloss der Senat, das Schiff einfach nach Cuxhaven zu verlegen. Frei nach dem Motto aus den Augen, aus dem Sinn. Es hat funktioniert, erklärt Ralf Fröhlich lächelnd, der als Zahlmeister für die Schaarhörn mitverantwortlich ist - als einer von vielen Ehrenamtlern, die das Schiff mit der Stiftung Hamburg Maritim lebendig halten. Dass das überhaupt geht, ist einer langen Kette von Zufällen geschuldet. Denn aus Hamburg war das Schiff ja schnell weg. Es sollte auch nur ganz kurz zwi - schen den beiden Weltkriegen hier seinen Dienst tun. Auch den Cuxhavenern war es nach einer wechselvollen Geschichte mit seinem großen Kohlehunger 1973 zu teuer und zu unpraktisch, es gab auch kaum noch Menschen, die mit der alten Technik umgehen konnten. Bevor es außer Dienst gestellt wurde, hatte Ralf Fröhlich die Chance es zu betreten! Ich habe zwischen 1966 und 1969 beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Cuxhaven eine Verwaltungslehre gemacht und durfte auf jedes Schiff rauf so bin ich als Jugendlicher fünf Mal mit der Schaarhörn gefahren, kenne sie also noch im damaligen Originalzustand. Um den war es bald danach leider geschehen: Obwohl es Ende der 1960er- Eines der ersten Fotos des Schiffes aus dem Jahre 1909. Verbringen viel Zeit an Bord: Dr. Wilfried Winkelmann und Ralf Fröhlich (r.) aus Poppenbüttel. Die Schaarhörn ist maritime Geschichte!