Liebenswürdigkeit wofür KOLUMNE

ALSTERTAL MAGAZIN | 3 KOLUMNE VON WOLFGANG E . BUSS Deutschland brummt , könnte man sagen. Immer mehr, immer optimaler, immer grenzenloser. Die Wirtschaft scheint sich mit Erfolgen zu über- schlagen, es ist die Zeit der High- Performer. Aber glücklich scheint es keinen zu machen. Der Ton ist rau, das Handeln abgebrüht, der Spirit im Job eiskalt. Viele Millionen Deut- sche leiden an äußerem Druck oder an eigener Maßlosigkeit. Genug ist lange nicht mehr genug. Das deut- sche Hamsterrad rast. Erfolg ist das Synonym für Maßlosigkeit. Ich bin in der glücklichen Lage, viele Menschen treffen zu dürfen und mit ihnen zu sprechen. Frage ich sie nach ihrem Befinden, kommt spontan und wie gelernt: Suuuper, hervorragend! Entwickelt sich aus dieser Frage einmal ein ehrliches und authentisches Gespräch, erfahre ich ganz anderes: Überforderung, Druck im Job, falsche Vorbilder, Stress, Krankheiten eben nicht suuuper! Ohne, dass ich gezielt frage, teilt man mir zunächst hanseatisch verschlüsselt mit, wie viel Geld man verdient, wie die Vermögensverhältnisse sind, wo man wohnt und welches Auto man fährt. Ich erfahre zunächst alles, nur eines nicht: die Wahrheit . Über die große innere Armut, die Verzweiflung, die Sinnlosigkeit, Schwäche, Leere wird nicht gesprochen, auch nicht über innere Werte. Warum? Weil es keine gibt! Geld, Vermögen, Job, Macht, vermeintliche gesellschaftliche Anerkennung und aus. Manchmal frage ich: Was ist zum Beispiel mit Liebenswürdigkeit ? Oder Leichtigkeit ? Kürzlich antwortete mir jemand: Finde ich im Prinzip gut, wichtig aber ist, in welcher Lage das Grundstück liegt. Hallo, hört da noch jemand zu? Zu viel Kritik? Ich muss uns Deutsche auch in Schutz nehmen. Aus einer einstmals gemütlich-sozialen Marktwirtschaft haben wir schleichend einen brutalen Turbo-Kapitalismus gemacht. Es sind nur noch die Interessen internationaler Konzerne im Vordergrund. Deren Shareholder verlangen Renditen sonst nichts . Und dazu muss das Management, ob ganz oben oder in der mittleren Ebene, sparen, Jobs abbauen, prekäre Arbeitsver- hältnisse schaffen, ruppig handeln und behandelt werden. Das alles stärkt unser diffuses Misstrauen gegenüber den Eliten. Niedrige Wahlbeteiligung oder das Anwachsen extremer Parteien, die irgendwie Änderungen versprechen, sind die Folge. Multikulturalität, Multinationalität, globalisierte Märkte, Unüberschau- barkeit der virtuellen und digitalen Welten, all das schafft keine Identität. Und dann noch die Schmach, dass alle Zukunftstechnologien hier ver- schlafen wurden: Facebook, Apple, Google, Microsoft etc. alles kommt ausgerechnet aus dem Land von Hillary Clinton und Donald Trump. Sind wir schon abgehängt in unserem Hamsterrad? Nur wenigen geht noch das Herz auf beim Blick auf die Millionen mus- limischer Zuwanderer, die in unser Land kommen und eine islamische Kultur mitbringen. Nein, all das oben Erwähnte schafft keine Liebenswürdigkeit! Und wo sind die Visionen? 75.000 Menschen sterben hier jährlich an Alkohol, 7,5 Millionen sind alkoholkrank. Ja, das sind Fakten. Und wo sind die Perspektiven? Wo die Gesellschaftsentwürfe für eine zukünftige Ordnung, einer Identität, an der es uns allen Spaß machen würde, mitzuwirken? Ich habe immer wieder über Glück geschrieben und Vorträge gehalten zum Thema, was heißt es, ein gutes Leben zu führen? Wer fühlt noch Begeisterung , nachzudenken über eine Ethik der Zukunft in einer Wertegemeinschaft der Liebenswürdigkeit, was wir uns doch alle doch so sehr wünschen! Ganz tief im Inneren. Wir können das doch nicht der AfD überlassen! Liebenswürdigkeit wofür?