SURREAL Alstertal Künstler

22 | ALSTERTAL MAGAZIN MAGAZIN Aufgewachsen im Alstertal, kehrt der in Berlin lebende Künstler Lars Möller (28) für seine Ausstellung zurück. Im Gepäck: Zahlreiche surrealistische Werke und ein Dialog über Isola- tion und Reizüberflutung. Alstertal Magazin: Du sagst Sehnsucht ist eine Sucht, die sich selbst sucht und nicht die Erfüllung, was meinst du damit? Lars Möller: Schon alleine in den Tagträumen der Sehnsucht erlangt man Befriedigung und Glück. Das, was in der Sehnsucht angestrebt wird, ist dieses Glück des Traumes und nicht ihre tatsächliche Erfüllung in der Wirklichkeit. Wie bei einer Droge kann sie zu einer Realitätsflucht werden, die als wirklicher empfunden wird als die Wirklichkeit. Hier passt auch ein Aphorismus von Nietzsche aus Jenseits von Gut und Böse ganz gut: Man liebt zuletzt seine Begierde, und nicht das Begehrte. Deine Bildsprache ist sehr speziell. Ich kann mir vorstellen, dass deine Bilder auf einige verstörend wirken. Wenn meine Bilder Menschen verstören, heißt das, dass sie von den Bildern berührt worden sind. Ich möchte nicht, dass meine Arbeiten als Dekoration dienen. Ich möchte das Wesen der Betrachter erschüttern und Denkprozesse und Gefühle anregen. Ich denke, dass Kunst sogar verstören muss, damit die Betrachter sich von ihrer alltäglichen Sichtweise lösen und sich für Neues öffnen können. Wie bist du zum Surrealismus gekommen? 2005 habe ich angefangen, mich stärker für Kunst zu in- teressieren und Dalí hat mich in seinen Bann gezogen. Abgesehen davon habe ich die Welt immer als etwas un- endlich Komplexes und Widersprüchliches erfahren, das sich einer vollkommenen Erkenntnis und abschließenden SURREAL im Alstertal Lars Möller Bildauflehnung: Sehn- und Suchtgeschichten 6. 27. November in der Barfuss-Galerie, Sandkuhlenkoppel 55. Öffnungszeiten: 11 17 Uhr. Lars Möller: 1989 geboren in Hamburg, aufgewachsen in Hamburg- Bergstedt. Von 2010 - 2015 Studium an der Universität der Künste Berlin. Seit 2012 regelmä- ßig Ausstel- lungsbeteili- gungen bspw. bei der Galerie Westphal Berlin. Lebt und arbeitet in Berlin. Deutung entzieht. Ich empfand, dass eine surreale Repräsentation dieser Wirklichkeit gerechter wird als eine realistische. Was sieht der Betrachter, wenn er eins dei- ner Bilder anschaut? Das kommt sehr auf das jeweilige Bild und den Betrachter an. Mit den vielen Details und Allegorien spiegeln meine Arbeiten die Reizüberflutung, Überforderung, Orientie- rungslosigkeit und Deutungsohnmacht des heutigen Lebens wider. Ich habe oft erlebt, dass verschiedene Menschen ganz unterschiedliche Dinge wahrgenommen und gedeutet haben. Die meisten sehen einerseits etwas von sich selbst, wie in einem Spiegel und andererseits etwas von dem, was ich ihrer Meinung nach bin. Du lebst im pulsierenden Berlin. Steht die Isolation / Entfremdung unmittelbar mit dem Wohnort in Ver- bindung? Sicherlich sind Reizüberflutung und viele Menschen auf engem Raum Faktoren, die zu Isolation und Entfremdung führen können, und diese Faktoren sind gerade in der Groß- stadt besonders stark. Auf der anderen Seite sind unabhängig vom Wohnort der Grad an Reflexion, die Art der Kommu- nikation und der Umgang mit Medien entscheidend. Man darf nicht vergessen, dass es, um zu sich selbst und zu anderen zu finden, oft Mut und Selbstüberwindung bedarf. Letztendlich kommt es auf die jeweilige Person an. Könntest du wieder im Alstertal leben? Später auf jeden Fall! Berlin kann zwar anstrengend sein, aber ich genieße es auch, mich an der Energie dieser Stadt aufzureiben. Ich bin seit meiner Jugend ein naturverbundener Mensch und ziemlich sicher, dass es mich irgendwann wie- der in eine ruhigere und natürlichere Gegend ziehen wird. Also warum nicht das Alstertal? Es ist ziemlich schön hier. Wie lange sitzt du an einem Gemälde? Zwei Tage bis zu vier Monaten, bei den meisten ein bis zwei Monate. Valeska Fuhlenbrok