Villen-Viertel Streit unsere

ALSTERTAL MAGAZIN | 37 SASEL Villen-Viertel! Streit um unsere Hitzige Diskussion in Sasel: Es sollte wie ein normaler Schritt in der Stadtentwicklung aussehen. Der Senat will aus Hamburgs besonders geschützten Wohngebieten nun reine Wohngebiete machen. Doch Bürger sehen das kritisch. Warum? W ir alle kennen Sie: die besonderen Wohnlagen, ruhig, geschützt, privilegiert. Im Alstertal und Walddörfern sind besonders geschützte Wohngebiete häufig zu finden, in Billstedt gar nicht. Bei uns liegen sie in Hummelsbüttel, Poppenbüttel, Bergstedt, Duvenstedt, Lemsahl-Mellingstedt, Wohldorf- Ohlstedt, Volksdorf und Wellingsbüttel. Das größte in Sasel. Aber auch Pöseldorf mit den Sophienterrassen zählt dazu. Zur Begriffserklärung: In einem besonders geschütztem Wohngebiet sind neben reinem wohnen kaum Ausnahmen möglich, während in einem reinen Wohngebiet immerhin Kitas, die den Bedürfnissen der Bewohner des Gebiets dienen zulässig sind. Aber auch nicht störende Handwerks- und Gewerbebetriebe oder Alten- und Pflegeheime zählen dazu. Weiter erlaubt sind größere soziale Einrichtungen wie Kindertagesstätten und Sportanlagen, aber eben auch, und das ist zurzeit besonders im Fokus: Flüchtlingsheime! Offiziell will die Stadt Wohnen und Arbeiten zusam- menzubringen, und dazu das Regelwerk optimieren. Kritische Beobachter allerdings vermuten, hinter der seit Mai diesen Jahres bekannten Initiative steht auch die Entwicklungsmöglichkeit weiterer Flüchtlingsunter- künfte. Auch die CDU vermutet hier eine Mogelpackung und fordert, von den Plänen abzusehen. Dennis Thering, CDU: Die Pläne bringen viele Nachteile und deshalb sind wir absolut dagegen. So könnten sogar Kneipen oder Pensionen entstehen und es bestehe keinerlei Notwenigkeit, den besehenden Bau- stufenplan aufzuweichen. Sogar die Grundstückswerte können in den betroffenen Bereichen verfallen, so der CDU-Mann. Das allerdings würde Wachstumsgrenzen schaffen für die Stadt. Die CDU sieht immer mehr Verdichtung kritisch, will den Wohn-Charakter erhalten, das Wachstum sei nun irgendwann erreicht. Dafür will sich Thering auch in der Bürgerschaft einsetzen. Der rot-grüne Senat will dagegen in 17 Hamburger Stadtteilen die Baustufenpläne ändern. Während einer am 12. Oktober anberaumten und gut besuchten Plan- diskussion zu diesem Thema in der Saseler Schule Am Redder, kam es zu empörten Reaktionen. Die erhitzten Gemüter trauten den Angaben der Behördenvertreter nicht. Insbesondere sei ein wichtiger Aspekt, nämlich der Paragraph 4, Umwidmung der Flächen in allgemeines Wohngebiet von den Vertretern der Stadtentwicklungsbehörde nicht erwähnt und diskutiert worden. Ebenfalls, so die Kritiker, die zum Teil nicht persönlich genannte werden möchten, sei auch, dass das Protokoll der Veranstaltung noch immer nicht veröffentlicht sei. Etwas kurios: Die AfD nahm aktuell diese Veranstaltung zum Anlass, sich beim rot-grünen Senat für den Freundschaftsdienst zu bedanken: Thema und Veranstaltung seien reine Werbung für die AfD. Der Rechtsexperte und Anwalt Gero Tuttlewski (Klemm & Partner) äußert ebenfalls Bedenken: Es besteht derzeit kein Bedarf für eine Planänderung, so der Rechtsanwalt, da kein akuter Versorgungsnot- stand durch zum Beispiel zu wenige Bäcker in den betroffenen Gebieten besteht. Er weist die kritischen und betroffenen Bürger auf die Möglichkeit hin, sich zu organisieren und zusammenzuschließen, um ge- meinsam mit ausgewiesenem Rechtsbeistand gegen die Planungen vorzugehen. Ergänzend sei erwähnt, dass die sogenannte ATAG- Klausel (der Alsterthal-Terrain-Aktiengesellschaft von 1912) vergleichbare Ziele hat oder hatte, allerdings ein privatrechtlicher Planungsschritt war. In jener Gründungszeit gab es noch kein öffentliches Planungsrecht für die betroffenen Siedlungsgebiete. Die ATAG-Klausel galt für etwa 2.500 Grundstücke, auf denen häufig jeweils nur eine (betuchte) Familie leben durfte, plus Hauspersonal. Ob sie heute noch bindend ist und wenn wo, ist umstritten. Die Form der besonders geschützten Wohngebiete übrigens geht auf das vor 80 Jahren während der Nazizeit erlassene Groß-Hamburg- Gesetz zurück. Es sei heute einfach nicht mehr zeitgemäß und nicht immer geeignet, notwendige oder wünschenswerte städtebauliche Entwicklungen rechtssicher zu ermöglichen, so eine Begründung des rot-grünen Senats. Ziel war es damals, ausgewählte Wohngebiete besonders zu schützen, um den Charakter eines Villen-Vororts zu schaffen. Grundstückgrößen von mindestens 2.500 Quadratmetern und mehr waren bei der Erschließung häufig vorgeschrieben. Wir haben nichts gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte wollen sie allerdings nicht in unmittelbarer Nähe zu unseren Grundstücken haben!, Saseler Bürger Fo to : H M V Bürger wehren sich gegen Zerstörung intakter Wohngebiete.