Sporttalk Nachspielzeit Hamburg

42 | ALSTERTAL MAGAZIN HSV Sporttalk Die Situation des HSV im deutschen Fußballoberhaus ist ein Drama. Kein Wunder also, dass sich viele Talkrunden mit den Rothosen befassen. So auch die Nachspielzeit, Der Hamburg 1 Sporttalk mit Uli Pingel und Thorsten Laussch. Einer der Gäste war der Wellingsbüttler Roman Köster . WELLINGSBÜTTEL Alstertal-Magazin: Sporttalk über den HSV. Blutet Ihnen das Herz, wenn Sie an die aktuelle Situation denken? Roman Köster: Nein, aber auch, wenn es bluten würde, müsste man sehr fair und sauber argumentieren und die Fehler der Vergangenheit aufarbeiten, ohne dass der eine oder andere Recht hat oder sein Gesicht verliert. Kritisch, aber fair bleiben, das ist angesagt. Nennen Sie doch bitte mal ein paar Fehler der Vergangenheit. Am Schlimmsten ist, dass über drei Jahre lang und selbst jeder gute Wetterfrosch kann am Himmel feststellen, wann das Wetter kippt nichts wirklich Großes passiert. Obwohl doch offensichtlich ist, dass es nicht läuft. Also obwohl das so ist, man also weiß, dass man was tun muss, krebst der HSV herum. Weil seit drei Jahren die Erde, auf der gepflanzt wird, nicht in Ordnung ist. In so einem Fall muss ich entweder düngen, neue Düngemittel einsetzen oder irgendwas unternehmen, was dem Wert der Ware entspricht. Das ist jetzt wie ein Politiker gesprochen. Man weiß gar nicht, ob Sie jetzt den Vorstand oder die Spieler ansprechen? Es ist wie bei den meisten Unternehmen, in denen es nicht läuft der Fisch stinkt vom Kopf. Und es ist schon merkwürdig, dass in dieser tollen Stadt, die ich sehr liebe, sich immer wieder Leute finden, die sich meines Erachtens vor allem aus Gründen der Eitelkeit für wichtige Ämter im Verein etwa den Aufsichtsratsvorsitzenden zur Verfügung stellen, schon dann zufrieden sind, wenn sie in der VIP-Lounge sitzen und einen eigenen Parkplatz haben. Ich vermisse aber das Herzblut und vor allem den so wichtigen Sachverstand. Aber null! Und das ist ein Verbrechen an den Fans. (überlegt) Es ist ein Verbrechen, mit fremder Kohle so einen Mist zu produzieren. Sie haben im Talk ja angesprochen, dass Sie gerne wissen würden, was der Vorstand eigentlich genau macht. Richtig. Es gibt in vielen Firmen einen Tätigkeitsbericht, der festlegt, wer sich wann um was kümmert. Und hier, alle zwei Wochen gibt es eine Sitzung, da fahren dann alle Mitglieder vor. Ich frage mich, wird da jedesmal besprochen, wo die Fehler liegen und was dagegen unternommen werden muss. Wenn ja, wo sind die Resultate? Und vor allem, wenn dann mal etwas beschlossen wird, darf es nicht gleich wieder nach außen dringen, wie so oft. Ich vermisse diesbezüglich die Professionalität. Ich habe immer stärker das Gefühl, dieser HSV wird nur zum Sprungbrett der Eitelkeiten benutzt. Meinen Freund Uwe Seeler nehme ich da mal raus, der hat es aus Liebe zur Raute gemacht. Für den haben Sie ja auch gerade ein Buch zum seinem 80. Ge- burtstag gemacht ... Genau, nach meinem Buch Danke, Fußball!, habe ich diesmal für Danke, Uwe das Jubiläumsalbum mit den Sportreportern Ale - xander Laux und Dieter Matz zusammen gearbeitet. Ich finde, wir Journalisten hatten die Pflicht, mal etwas zurückzugeben. Schließlich hat uns der Mann über 40 Jahre lang mit dem gedruckten Wort über ihn ernährt. Außerdem hat Uwe über vier Millionen Euro für seine Stiftung eingespielt. Es war uns eine Herzensangelegenheit, ihm für beides ein journalistisches Dankeschön auszusprechen. Deswegen geht auch der Haupterlös aus dem Verkauf in die Stiftung. kw Der Fisch stinkt vom Kopf, findet Roman Köster einst Sportchef von Hörzu und Bild , der Gast des Hamburg 1 Sporttalks war (siehe auch S. 44). Fo to s: K a i W eh l Fortsetzung S. 44