Heilsbringer Lemsahl Martin

22 | ALSTERTAL MAGAZIN Da freuten sich die Genossen: Martin Schulz schaute kürzlich zu einem Wahlkampfauftritt in Lemsahl vorbei. Doch worauf genau beruht der Schulz-Effekt? Ist er dauerhaft? Und hat Schulz überhaupt eine Chance auf die Kanzlerschaft? Standing Ovations bekommt der Ex-EU-Parlamentspräsident bereits, sobald er den Saal betritt und das nicht zum letzten Mal an diesem Abend. Die Genossen sind sichtlich stolz auf den Auftritt ihres neuen Hoffnungsträgers. Der Hamburger Fraktionschef Dressel überreicht ihm einen rotweißen Hamburg-Schal. Dorothee Martin, die sich selbst gerade noch so in ihre Bundestagskandidatur retten konnte, schickt am laufenden Band Nachrichten via Twitter und Facebook. Da bahnt sich etwas ganz Großes an, hoffen die Hamburger Sozis, und tatsächlich, als der Kanzlerkandidat dann noch das Wort an die Anwesenden richtet, von sozialer Gerechtigkeit, Zusammenhalt und Zukunft spricht, geht so manchem Genossen das Herz auf. Schließlich war der Anlass von Schulz Besuch eingeschoben nach einer Stippvisite in einer Pinne- berger Schule auch, einigen Neu-Mitgliedern der SPD ihr Parteibuch zu überreichen. Von denen scheint es einige zu geben: Mehr als 1.500 Neueintritte sollen nur auf Grund der mysteriösen Anziehungskraft des neuen Kandidaten zu verzeichnen sein. Eine echte Heilsmeldung für eine Partei, die vor lauter Anhängerschwund erst 2015 die Position als mitgliederstärkste Partei an die CDU verloren hatte. Doch was will Martin Schulz als Kanzler überhaupt anders machen? Wofür steht er? Seine Gegner sprechen ihm konkrete inhaltliche Ziele ab, und die Rede in Lemsahl lieferte auch wenig außer Wohlfühl- Phrasen und dem Benennen von längst bekannten Problemen, die die SPD nach der Wahl aber nun wirklich endlich und endgültig mal angehen wolle; als sei seine Partei nicht schon mit vierjähriger Unterbrechung seit 1998 an der Regierung. Die Frage ist nur, ob sich nach der Wahl überhaupt eine Machtoption für Kanzler Schulz bieten würde. Die Fortführung einer großen Koalition würde keinen radikalen Politikwechsel bedeuten und für eine rot-rot- grüne Koalition gibt es zumindest nach aktuellen Umfragen keine Mehrheit. Doch allein die Aussicht auf eine solche Option jagt den politischen Gegnern des Kandidaten schon gehörig Angst ein. Wenn das tatsächlich kommt, dann gute Nacht, schreibt der Hamburger CDU-Bundestagskandidat Christoph Ploß auf Facebook. Leider arbeiten zahlreiche Abgeordnete daran, genau dieses Linksbündnis zu verwirklichen. Auch Martin Schulz hat das nicht ausgeschlossen, genauso wenig wie Johannes Kahrs. Wenn wir Demokraten nicht aufpassen, haben wir am Ende die Linksextremen in der Bundesre- gierung. Dank der Unterstützung der SPD. Ob solche Erwägungen an dem Abend in Lemsahl eine Rolle spielen? ICH MÖCHTE NICHT, DASS DER WOHNSITZ ODER GELDBEUTEL DER ELTERN ÜBER DIE ZUKUNFT DER KINDER ENTSCHEIDET. MAGAZIN WIR SIND EIN LAND, DAS BLÜHT, UND DAS SOLL SO BLEIBEN. Heilsbringer in Lemsahl?