Strukturerhalt Wohnlagen sollen

38 | ALSTERTAL MAGAZIN WELLINGSBÜTTEL Wellingsbüttler Nachbarn fordern Herausragende Wohnlagen sollen geschützt werden. Das fordern Nachbarn in einem Streit um übergroße Baukörper. D as Alstertal und die Walddörfer prägen mit wunderschönen Straßen mit Einzelhaus- und repräsentativer Villenbebauung auch die Stadt- und Baukultur Hamburgs. Sie machen das Alstertal unterscheidbar zu vielen anderen Stadtteilen. Die Erhaltung dieser Villenviertel ist nicht nur das natürliche Ziel ihrer Anwohner, sondern auch von Politik und Stadtentwicklung. Ein solches Quartier ist Wellingsbüttel 16, bewohnt von teils prominenten oder vermögenden Hamburgern. Teile der Straßen Up de Worth und Barkenkoppel werden deshalb in der Begründung zum Bebauungsplan Wellingsbüttel 16 mit besonders großen Grundstücken, die mit repräsentativen Einzelhausbebauung als schützenswert eingestuft und festgesetzt. Hier soll es so schön bleiben, wie es ist. Doch nun gibt es Streit. Nicht die Stadt ist der Zankapfel, sondern ein Wellingsbüttler Bauherr selbst, der Baupläne für ein Grundstück in der Straße Up de Worth vorlegte, die diesem städtebaulichen Charakter nicht entsprechen. Und das brachte die feine Nachbar- schaft auf Zinne! Wir wollen erreichen, dass maßstabsgerecht gebaut wird und die Ziele des B-Plans umgesetzt werden, so die Anwältin Sabine Sievers, die die Interessen der Anwohner wahrnimmt. Die Initiative besteht nicht aus querulatorischen Nachbarn, sondern aus Menschen, die hier schon sehr lange leben und das Gebiet mit ihrer Bebauung geprägt haben und nun daran interessiert sind, dass die bestehenden Bebauungspläne eingehalten und umgesetzt werden. Eine Liste mit Unterstützern der Initiative mit teils prominenten Namen wurde aktuell Politik und Baubehörde übergeben, um eben dieser Forderung Nachdruck zu verleihen. Obwohl der B-Plan einen genauen Rahmen vorgibt, ist strittig, wie groß die geplanten Gebäudekörper exakt sein dürfen und wie viele Wohnungen mit wie vielen Familien darin entstehen dürfen. In der schon oben zitierten Begründung des B-Plans, also eines Baugesetzes, ist zu lesen: Um den städtebaulichen Charakter dieser herausragen- den Wohnlage zu sichern, ist an besonders gekennzeichneten Flächen (und das ist hier zutreffend, Red.) nur höchstens eine Wohnung je Gebäude zuzulassen. Die Initiative geht also davon aus, dass maximal eine Wohnung pro Haus möglich ist. In zahlreichen repräsentativen Häusern leben allerdings bereits zwei Parteien. Auf einem der betreffenden Grundstücke könnte maximal ein Doppel - haus mit je zwei Wohnungen entstehen. Die zurzeit strittige Planung umfasst allerdings deutlich mehr Wohnungen. Rechtsanwalt Henning Bunte ergänzt mit dem wichtigen Hinweis auf die Baurechtspraxis. Was genau ein Nachbar darf oder nicht darf, verbindet ihn ver- gleichbar mit einer Schicksalsgemeinschaft. Und diese Regeln quasi durch das Hintertürchen zu umgehen wird hier geplant und ist nicht zu akzeptieren. Wie zu erfahren war, wurde die erste zu massive Planung bereits wieder zurückgezogen. Wie der Streit ausgeht, bleibt offen, geht es hier doch auch um ein grundsätzliches Problem des Strukturerhalts besonderer Wohnlagen. Die sich deutlich veränderte Nachfrage nach beispielsweise Luxus-Eigentumswohnungen statt riesiger Villen in solchen Lagen, erhöht deutlich den Druck auch in vergleichbaren Quartieren. Ein solcher Strukturwandel ist deutlich auch in den Elbvororten zu beobachten. Strukturerhalt Rechtsanwälte Sabine Sievers und Henning Bunte der Kanz- lei Oberthür & Partner: Die Wellingsbüttel prägende Bau- struktur mit seinen villenartigen Ein- familienhäusern und großzügigen Grundstücken muss erhalten bleiben. Die Straße Up de Worth in Wellingsbüttel zählt laut Bebauungsplan zu den schützenswerten Wohnlagen Hamburgs. Steht zum Abriss bereit: Kaffeemühle in Up de Worth. Doch wie groß darf die Neubebauung ausfallen?