Landflucht stoppen MAGAZIN

20 | ALSTERTAL MAGAZIN MAGAZIN Rehwild in der Hummelsbüttler Feldmark. Bald nur noch in ländlichen Räumen zu beobachten. Die Stadt Hamburg soll stärker bebaut wer- den, während man die Flächenländer vernachlässigt. Mit Struktur- schwäche treibt die Politik die Menschen in die Metropole. egal ob auf dem Land oder in der Stadt kann ich aus eigener Erfahrung sagen, die Natur wird stiller. Warum? Weil durch intensive Landwirtschaft und massive Bebauung die Insekten verschwinden - die Hauptnahrung Vögel. Auch mit katastrophalen Folgen für uns Menschen. Vielleicht ich nicht mehr, aber unsere Nachkommen werden möglicherweise mit der Hand Blumen bestäuben müssen. Die letzten Schmetterlinge werden bald sterben, wenn sich nichts Großes ändert, erklärt Niels Hanßen. Das weiß wohl auch die Stadt, nicht umsonst hat sie sich kürzlich an einem Projekt beteiligt, das aus geeigneten Grünflächen durch Mahd und langfristige Pflege Schmetterlingswiesen entstehen sollen. Zusätzlich weist sie weitere Naturschutzgebiete aus. Zwei bereits in diesem Jahr, im Herbst folgt das ca. 43 ha große NSG Duvenwischen in Volksdorf. Das reicht den Kritikern nicht, denn, Schmetterlingswiesen sind gut, aber ob damit eine Art erhalten wird ist fraglich. Zu glauben, es reicht ein paar Reservate zu schaffen ist ein Irrtum - ein Ablasshandel -, weil die Natur nun mal nur zusammenhängend funktioniert, als Netzwerk. Man kann nicht 2/3 zubetonieren und sagen 1/3 sind verteilte kleine Enklaven für Schmetterlinge & Co. Das geht doch gar nicht und das weiß jeder Biologe. Nur, wer nimmt die schon ernst, die halten ja nur vom Bauen ab, regt sich Hanßen auf. Auch Thering reicht es längst: Landflucht stoppen Das Wachstum, auch bei uns im Alstertal und den Walddörfern hat Grenzen. Der Charakter des Alstertals und der Walddörfer muss erhalten bleiben und darf nicht zu übertriebenen Wohnungsbauzwecken geopfert werden. Bevor wir in Hamburg über eine weitere massive Verdichtung sprechen, müssen erst alle Wohnungsbaupotentiale im Hamburger Umland ausgeschöpft werden. Hanßen sieht das ähnlich. Mich hat keiner gefragt, ob ich möchte, dass, wie von der Stadt mal angedacht, Hamburg eine 2 Millionen-Stadt wird. Die Stadt sollte lieber Anreize schaffen, dass Leute bei sich auf dem Land bleiben, statt sie in die Stadt zu locken, um etwa mehr Steuern einzunehmen. Das sei ja schließlich unter anderem ein Grund für die große Wohnungsnachfrage. Dazu Dr. Andreas Dressel: Im Rahmen der Zusammenarbeit von Hamburg und den umliegenden Bundesländern der Metropolregion gibt es einen intensiven Austausch zu genau diesen Punkten. Es wäre jedoch naiv zu glauben, dass damit der Zuzug in die attraktive Großstadt Hamburg spürbar reduziert werden könnte. Viele Menschen möchten in die Städte ziehen, weil sie hier bessere Lebenschancen und vielfältigere Angebote in allen Bereichen erwarten. Und im Hamburger Umland ist ebenfalls eine intensive Bautätigkeit zu verzeichnen. Am Ende bleibt es immer gleich: Wenn wir die Augen vor den Bevölkerungsbewegungen verschließen und nicht genügend Wohnraum bereit stellen, kommt es zu dramatischen Miet- und Wohnpreisentwicklungen und einer Aus- grenzung all derjenigen, die sich das nicht leisten können. Das riecht nach weiteren Bauaktivitäten im attraktiven Alstertal und den schönen Walddörfern, Hanßen fürchtet sogar eine weitere, wenn nicht sogar in jahrelangen Schritten fast komplette Bebauung der Hummel- büttler Feldmark, also im Landschaftsschutzgebiet. Entsprechende Gutachten hat die Stadt in Auftrag gegeben, behauptet Hanßen. Das Schmetterlinge versus Neubür- ger? Die Feldmark- Bebauung soll Hamburgs Woh- nungsmieten senken. bestätigt Dressel, sagt aber, um eine Versachlichung auch für zukünf- tige, fundierte Diskussionen um mögliche Wohnungsbaupotentiale zu erreichen, war vorgesehen, dass die zuständigen Fachbehörden ein Fachgutachten in Auftrag geben, das mit der ausdrücklichen Prämisse des Erhalts der Hummelsbütteler Feldmark klären sollte, ob, inwieweit, wo und mit welchen Maßgaben in kleinen Teilbereichen der Feldmark regulärer Wohnungsbau im Rahmen regulärer Bebauungsplanverfahren und aufgrund umfassender Umweltverträglichkeitsprüfungen machbar und sinnvoll wäre, ohne unvertretbare Eingriffe in die Feldmark zu verursachen. Unserer Kenntnis nach ist das noch nicht erfolgt und so- lange eine solche faktenbasierte Grundlage nicht vorliegt, wird es mit der Koalition in Land und Bezirk auch keine weiteren Überlegungen zur Bebauung von Teilen der Feldmark geben. kw Fortsetzung von Seite 19