MAGAZIN Prinzip Ganz

26 | ALSTERTAL MAGAZIN MAGAZIN Delphine Thiermann: Wir brauchen keine erneute Flüchtlingswelle, denn die Flüchtlingswelle hält weiterhin an, auch wenn die Medien zur Zeit nicht darüber berichten. Seit den Krawallen im Rahmen des G20 und auch allgemein der immer weiter ansteigenden Kriminalität, ist ein Sicherheitsbedürfnis der Bürger absolut vorhanden. Dass die Umfragewerte zurückgegangen sind, hat meines Erachtens ande- Gründe: Wir von der AfD müssen in der Öffentlichkeit mehr mit den zahlreichen Themen unseres Parteiprogramms punkten und nicht nur mit immer den gleichen. Wir haben nämlich viel mehr zu bieten als nur Kritik an der Flüchtlingspolitik und dem Islam. Herr Behrens, die sozialen Unterschiede nehmen zu, die Mieten steigen, Städte werden gentrifiziert und trotzdem scheinen die Wähler nicht in Wechselstimmung hin zur Linken zu sein. Woran liegt das? Rainer Behrens: Es ist immerhin interessant, dass Sie der Diagnose zustimmen. Das muss ja mit der Politik der bisherigen Regierungen zusammenhängen. Die Analyse, dass die Ursache in der Bodenspe- kulation und dem Missbrauch von Wohnungen als Renditeobjekte liegt, ist vielleicht noch recht weit verbreitet. Aber es gehört eben auch das Wissen um Alternativen und die Zuversicht, dass Politik etwas ändern kann und will, dazu. Wahlbeteiligungen von unter 20% in Wohngebieten mit niedrigem Sozialindex zeigen, wie viel Überzeugungsarbeit gebraucht wird. Hilfreich wären da schon Interviews mit politischen Themen und Berichte von unseren Ver- anstaltungen im Alstertal. 2013 wurde die FDP nach 65 Jahren parlamentarischer Arbeit aus dem Bundestag gewählt, Hauptvorwurf war damals vor allem die Klientelpolitik. Vier Jahre später versucht sie das Comeback. Wie steht sie jetzt zu den Vorwürfen? Wie hat sich Ihre Partei seitdem verändert, Herr Bläsing? RB: Manchmal muss man gezwungen werden, neu anzufangen, weil man dann neu denken muss. Da stellt sich nicht die Frage, wie haben wir das immer gemacht, sondern was müssen wir für die Zukunft tun. Wir sind daher in uns gegangen und haben darüber nachgedacht, was den Kern einer liberalen Partei ausmacht und Konsequenzen Das Prinzip Ganz oder gar nicht funktioniert in einer Koalition nicht. Aber unsere Richtungsentscheidung für Umwelt und gesellschaftliche Vielfalt bleibt dabei klar. Anja Hajduk, GRÜNE Wir brauchen keine erneute Flüchtlingswelle, denn die Flüchtlingswelle hält weiterhin an, auch wenn die Medien zur Zeit nicht darüber berichten. Delphine Thiermann, AfD gezogen. Diesen nicht immer einfachen Weg der Erneuerung haben die Freien Demokraten seit 2013 programmatisch wie personell konsequent beschritten. So haben wir es mit der FDP gemacht, so wollen wir es auch mit dem Land machen. Von vielen Seiten hört man, die Grünen hätten ihr Profil verloren. Bekannte Vertreter wie der industrienahe Winfried Kretschmann, der migrationskritische Boris Palmer und die kirchennahe Katrin Göring-Eckardt lassen vermuten, die Partei sei endgül- tig in Establishment und/oder Beliebigkeit aufgegangen. Wozu braucht man sie dann überhaupt noch, Frau Hajduk? AH: Winfried Kretschmanns Politik des Gehörtwerdens ist die beste Antwort auf diese Frage. Der Ministerpräsident von Baden-Württem- berg versteht es, gute Politik für alle zu machen. Damit ist er extrem erfolgreich. Auch unsere Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt versteht es Brücken zu bauen und die Menschen mitzunehmen. Auf diese Qualitäten kommt es an gerade in politisch bewegten Zeiten. In diesen bewegten Zeiten mit Trump und Brexit ist das Volk wieder unsicherer gegenüber Populismus geworden. Wehe, sie kommen wirklich an die Macht! Seitdem sind auch die Umfra- gewerte der AfD teils beträchtlich gesunken. Wie wollen Sie dem Populismusvorwurf entgegentreten, Frau Thiermann? DT: Zunächst war sowohl die Wahl in den USA, als auch die Abstim- mung über den Brexit jeweils eine demokratische Abstimmung, die man zu akzeptieren hat. Alles andere wäre demokratiefeindlich. Dann stellt sich die Frage, was man unter Populismus versteht. Populismus ist ein schwammiger und sehr unterschiedlich definierter Begriff. Zunächst stammt er aber von dem lateinischen Wort populus und bedeutet Volk. Die AfD macht Politik aus dem Volk für das Volk. Jegliche andere Unterstellung bringt der politische Gegner hervor um uns schlecht zu machen. Das ist reine Angstmacherei gegenüber einer neuen alternativen Partei. Die LINKE spricht sich für einen Stopp der Waffenexporte aus. In der deutschen Rüstungsindustrie sind 120.000 Menschen beschäftigt, die dann arbeitslos werden würden. Wie wollen Sie das verhindern, Herr Behrens? RB: In unserem Programm sagen wir, dass wir natürlich einen Pro- zess der Konversion der Rüstungsindustrie mit den Gewerkschaften entwickeln wollen. Eine Diskussion, die übrigens vor 40 Jahren schon intensiv auch auf den Hamburger Werften geführt wurde. Fortsetzung von Seite 24 Fortsetzung auf Seite 28 Fo to : B ün d ni s 90 /D ie G rü ne n