MAGAZIN Unsere Wähler

28 | ALSTERTAL MAGAZIN MAGAZIN Unsere Wähler erwarten von der Linken vor allem Standfestigkeit für einen echten Politikwechsel, sozial-ökologischen Umbau und in der Friedenspolitik. Rainer Behrens, LINKE Manchmal muss man gezwungen werden, neu anzufangen, weil man dann neu denken muss. Da stellt sich nicht die Frage, wie haben wir das immer gemacht, sondern was müssen wir für die Zukunft tun. Robert Bläsing, FDP Bedenken sollte man auch, dass es sich hauptsächlich um High- Tech-Arbeitsplätze handelt, in Bereichen, wo der Fachkräftemangel angeblich schon das Wachstum gefährdet. Vom moralischen Aspekt der Aufrechnung von Arbeitsplätzen, aber wohl letztlich doch Pro- fiten, gegen Menschenleben und Kriege war interessanterweise in Ihrer Frage noch gar nicht die Rede. Einige erfahrene Politiker stehen einer Regierungsbeteiligung der FDP kritisch gegenüber: In ihren Reihen gebe es aktuell kaum mehr jemanden, der wirklich über Regierungserfahrung verfügt und parlamentarische Erfahrung sei ebenfalls Mangel- ware. Herr Bläsing, wie wollen Ihre Parteigenossen das auf die Schnelle lernen? Wie wollen Sie selbst als bundespolitischer Neuling diese mangelnde Erfahrung wettmachen? RB: Wir Freie Demokraten schrecken nicht vor der Übernahme von Verantwortung zurück. Opposition hat in einer parlamentarischen Demokratie im Übrigen aber auch eine wichtige Funktion. Daher kämpfen wir als FDP dafür, dass wir drittstärkste Kraft im neuen Deutschen Bundestag werden. Die Freien Demokraten setzen dabei auf eine Mischung aus jüngeren und mindestens genauso vielen er - fahrenen Kandidaten. Persönlich war ich einige Jahre Mitglied in der Bezirksversammlung und später der Hamburgischen Bürgerschaft. Als Verwaltungsmitarbeiter mit diversen Einsatzgebieten kenne ich mich zudem mittlerweile auf dem Sozialamt genauso gut aus wie in einer Ministerialbürokratie. Wichtig ist, dass man neugierig und offen für neue Erfahrungen bleibt. Mit den neuen Erfahrungen ist das bei der AfD so eine Sache: Warum sonst propagiert sie Konzepte wie die traditionelle Familie als einzig wahre Lebensweisen? Liegt sie damit nicht in der heutigen Zeit und vor allem in der Singlehochburg Hamburg nicht ziemlich daneben, Frau Thiermann? DT: Erst einmal gibt es keine einzig wahre Lebensweise und ich wüsste auch nicht, wann das aus der AfD behauptet worden ist. Warum sollte die traditionelle Familie (Vater, Mutter, Kind) aber wiederum in der heutigen Zeit daneben sein? Dieses Modell hat schon immer Tradition und bisher auch stets funktioniert. Ich wüsste nicht, wieso das in Hamburg oder im Jahr 2017 nicht mehr der Fall sein sollte. Es gibt aber selbstverständlich auch alternative Lebensmodelle, die ihre Daseinsberechtigung haben, auch wenn ich persönlich die traditionelle Familie bevorzuge. Wichtig finde ich vor allem, dass ein Kind sowohl Vater als auch Mutter hat. Wir in Hamburg erleben seit einigen Jahren wieder die Grü- nen in Regierungsverantwortung. In diese Zeit fallen auch zahlreiche Entscheidungen, Grünflächen in Hamburg, u.a. die Klimaachse im Norden, für den Bau von Wohnungen und Flüchtlingsunterkünften zuzubetonieren. Lässt die Bereitschaft der Hamburger Grünen, beim Thema Umwelt und Flüchtlinge umstrittene Kompromisse einzugehen, Rückschlüsse darauf zu, welche Ideale die Grünen für eine erneute Regierungsbeteiligung aufzugeben bereit wären? AH: Ich finde es falsch, wenn ausgerechnet die Fähigkeit Kom - promisse einzugehen, diskreditiert wird. Das Prinzip Ganz oder gar nicht funktioniert in einer Koalition nicht. Aber unsere Rich - tungsentscheidung für Umwelt und gesellschaftliche Vielfalt bleibt dabei klar. Welche Kompromisse für eine Regierungsbeteiligung eingegan- gen werden sollten, wird auch bei der Linkspartei immer wieder diskutiert. Wie stehen Sie dazu, Herr Behrens? Für welche Ko- alition wären Sie oder finden Sie, wie es Sahra Wagenknecht sagte, dass man unter den aktuellen Bedingungen lieber in der Opposition bleiben sollte? RB: Mit Verlaub, diese Frage ist doch wohl aktuell auf Grund der Schwäche der SPD und auch der Grünen ziemlich müßig. Unsere Wähler erwarten von der Linken vor allem Standfestigkeit für einen echten Politikwechsel, sozial-ökologischen Umbau und in der Friedenspolitik. Wir machen uns keine Illusion, dass es dafür einer spürbaren gesellschaftlichen Bewegung bedarf. Dafür ste- hen wir im Betrieb, auf der Straße und im Parlament. Als reiner Mehrheitsbeschaffer wäre die Linke überflüssig. Persönlich habe ich im letzten Jahr alle Bemühungen unterstützt ein rot-rot-grünes Projekt auszuloten, wie in Berlin mit einer gestärkten Linken. Aber wir sehen doch heute, dass die Schulz-SPD der Mut dazu verlassen hat und sie deshalb von enttäuschten Wählern abgestraft wird. Christian Luscher Fortsetzung von Seite 26 Fo to : F D P H a m b ur g Fo to : D IE L IN K E