Hattrick JAHREN Paul

112 | ALSTERTAL MAGAZIN AUTO-WELT Hattrick Im Herbst 1957 macht der Rennfahrer Paul OShea das Triple als US-Sportwagenmei- ster perfekt: Nach zwei Titeln auf dem 300 SL Gullwing Coupé (W 198) in den Jahren 1955 und 1956 erringt er mit dem offenen Tourensportwagen 300 SLS (Super-Leicht- Sport) auf Basis des 300 SL Roadsters vor 60 Jahren seine dritte Meisterschaft in Folge. N ichts wird dem Zufall überlassen, als Mercedes-Benz sich Ende 1956 dazu entscheidet, zwei 300 SLS Tourensport-wagen für die kommende Sportwagenmeisterschaft der Vereinigten Staaten von Amerika aufzubauen: Der im Jahr 1957 neu erscheinende 300 SL Roadster (W 198) bildet die Basis für die Rennfahrzeuge. Einer der 300 SLS entsteht aus einem Versuchs- wagen, der komplett zerlegt, überholt, umfassend gewichtsoptimiert und wieder montiert wird. Das zweite Fahrzeug wird neu gebaut und schon bei der Montage ebenfalls gewichtsoptimiert. Durch die Sum- me der Feinarbeiten sinkt das Leergewicht des 300 SLS gegenüber den 1.330 Kilogramm wiegenden Seriensportwagen um rund 400 Kilogramm auf nur noch gut 900 Kilogramm. Die Maß- nahme lässt sich schon an der Typbezeichnung ablesen: Das Kürzel SLS steht für Super- Leicht-Sport. Der Aufwand von Mercedes- Benz für den Aufbau des Tourensportwagens ist not- wendig, weil der neue 300 SL Roadster für die Saison 1957 vom Sports Car Club of America (S.C.C.A.) noch VOR 60 JAHREN nicht für den Start in der Kategorie der Produktionssportwagen homologisiert werden kann: Dazu müssten mindestens 150 Exem- plare eines Fahrzeugs gebaut sein. Deshalb startet Paul OShea in der Saison 1975 in der freien Sportwagen-Kategorie D modified. OShea startet bei insgesamt 22 Rennen in der Saison. Der erste Lauf findet am 18. und 19. Mai 1957 in Cumberland (Maryland) statt, das Finale ist am 16. und 17. November 1957 in Riverside (Kaliforni- en). OShea gewinnt die Meisterschaft der Klasse D modified mit 11.400 Punkten. Zugleich erzielt er die höchste Punktzahl aller Fahrer der S.C.C.A.-Meisterschaft 1957 überhaupt und wird so zum dritten Mal in Folge von den nordamerikanischen Motorsport- Fachmedien als US-Sportwagenmeister gekürt. Es ist das erste Mal in der Geschichte des S.C.C.A., dass dieser Titel dreimal in Folge an denselben Fahrer geht. Die Ära des 300 SLS endet nach nur einer Saison, danach zieht sich die Stuttgarter Marke von den Sportwagenrennen zurück. Im 21. Jahrhundert lebt diese Tradition durch die Kundensport-Fahrzeuge von Mercedes-AMG wieder auf. 2011 hat der Mercedes-Benz SLS AMG GT3 (C 197) Premiere, der nach dem Reglement der Gruppe GT3 für Gran Turismo der Fédération Internationale de lAutomobile (FIA) aufgebaut wird. Sein Nachfolger ist der Mercedes-AMG GT3 (C 190), der seit 2015 angeboten wird. 2017 hat schließlich der Mercedes-AMG GT4 (C 190) Premiere, der nach dem Reglement der Gruppe GT4 der SRO Motorsports Group aufgebaut wird. Paul OShea Sportwagenmeister 1957 Gut zu erkennen: Der Überro llbügel direkt hinter dem Fahrersitz des 30 0 SLS. Der spätere Sportwagenmeister Paul OShea im Mercedes-Benz 300 SLS Tourensportwagen (W 198) während der US-amerikanischen Sportwagenmeisterschaft 1957. Fo to s: D a im le r A G