LINSE WELTSTARS Fuhlsbüttler

ALSTERTAL MAGAZIN | 37 MAGAZIN E ines seiner berühmtesten Bilder hat er aber qua-si vor der Haustür geschossen, auf Helgoland. Die beiden Studenten René Leudesdorff und Georg von Hatzfeld hissen auf dem Eiland, das sie aus Protest gegen die Bombardierung der Engländer besetzt haben, die deutsche und die Europaflagge an einer Eisenstange. Hab ich alles auf dem Fischkutter mitgebracht, mit dem ich bei Eiseskälte und Sturm über- gesetzt habe. Ich konnte nur ein gutes Foto machen, der Wind hat alles und die beiden sofort umgerissen. Das Foto wurde weltweit gedruckt und hat die Rückgabe Helgolands an Deutschland 1952 beschleunigt! Dazu wäre es fast nicht gekommen. Blume wollte als junger Mann Lehrer werden, um nicht in die Fußstapfen seines Vaters zu treten der war Fotograf. Ich kannte ihn nicht. Erstmals getroffen habe ich ihn, als ich 26 Jahre alt war. Eine Beziehung gab es nicht. Der Fuhlsbüttler begann eine Ausbildung als Lehrer im Nationalsozialismus, bis zum Krieg, in den er ziehen musste. Zweimal verwundet geriet er im Laufe des Krieges in Kriegsgefangenschaft. Danach nahm ich meine Ausbildung wieder auf. Als ich merkte, dass zwar die Hakenkreuze abgeschlagen und die Fahnen niedergeholt waren, aber der alte Geist noch herrschte, bin ich gegangen. Ich konnte das nicht mehr ertra- gen, die Zeit in der Gefangenschaft hatte mich in eine andere Welt geführt. Seine Mutter arbeitet damals beim Deutschen Pressedienst (dpd), dem Vorläufer der dpa. Mach doch für uns Fotos oder Filme, sagte sie zu mir. Ich habe mir eine Leica geliehen und losgelegt. Es lief sofort gut. Den fotografischen Blick und das Interesse habe ich sicherlich von meinem Vater geerbt. Es war aber auch kein Problem, die damals geforderten zwei Dienstbilder pro Tag zu schießen 1948 garantierte der Wie- deraufbau Hamburgs viele gute Fotomotive. So rutschte Blume doch in das Metier seines Vaters hinein. Ich habe es nie bereut. Teils frei und teils fest für die führenden Magazine und Zeitungen der damaligen Zeit war er nun ständig auf der Suche nach dem perfekten Bild. Ich wollte eines, das bleibt und sich in das Gedächtnis der Menschheit einbrennt. Es ist mir nicht gelungen. Dieser Satz ist wohl seiner bescheidenen Art zuzuschreiben, denn der 91-Jährige hat es auf über 1.000 Titel gebracht und einmalige Fotos geschossen. Eines seiner wichtigsten ist Papst Paul VI. beim Beten in Jerusalem, 1964. Es war das erste Mal seit 150 Jahren, dass ein Papst in Israel war. Das Medieninteresse war riesengroß. Highlight war ein Besuch der Grabes-Kirche. Alles war abgesperrt, man durfte nur von hinten fotografie- ren. Ich habe vorsichtig das Schloss der Sakristei geknackt, bin zum Altar geschlichen und habe durch die Kerzen mit meinem 400er das einzige Foto von vorne geschossen. Es hat sich weltweit verkauft. Auch der Vatikan wollte es, für zwei Postkarten Geld hat Blume dafür nie gesehen. Gott vergelts sagt er lächelnd. Kai Wehl Wer den ruhigen, aber rüstigen und geistig fitten Fuhlsbüttler Jochen Blume sieht, wird kaum glauben, was für ein aufregendes Leben der 91-Jährige geführt hat. Denn als Starfotograf hat er für seine Aufnahmen alles gegeben und dabei in aller Welt viele Abenteuer erlebt. WELTSTARS VOR DER LINSE War immer auf der Suche nach spannen- den Menschen, magischen Momenten und dem Foto überhaupt: Jochen Blume heute und als junger Fotograf. Links: Am Tag des Kennedy- besuches in Berlin schleppte Blume ein schweres 600er- Objektiv durch die Hitze. Bei allem Ärger ermöglichte es ihm aber beim Satz aller Sätze einen perfekten Schuss über alle Absperrungen hin- weg. (1963) Unten: Ich stand vor Sophia Loren und habe sie angehim- melt. Sie hat es gemerkt und sich amüsiert. (1964)