Mist Mathe Schulpolitik

20 | ALSTERTAL MAGAZIN Seit Monaten steht die Hamburger Schulpolitik in der Kritik , besonders, wenn es um das Rechnen geht. Schulsenator Ties Rabe bläst deswegen nun zum Großangriff das ausgemachte Ziel: Verbesserung des Mathematikunterrichts ! Mathematiknachhilfe in der Fami- lie sieht bei uns nicht selten so aus: Meine Zwillinge sitzen mir am großen Küchentisch gegenüber, Themen wie Bruchrechnung und Begriffe wie reziproker Wert, ecki- ge und runde Klammern, Kreisdia- gramme, Zins- und Prozentrech- nung, und, und, und das volle Programm. Und dann die ekligen eingekleideten Rechenaufgaben. Da geht es bei der Lösungssuche ganz schnell hoch her. Geduld und pädagogisches Gespür sind gefragt, aber nicht immer vorhan- den. Ein falsches Wort (Warum versteht ihr das denn nicht?) und der Haussegen hängt schief. Erst heult der eine Zwilling, einige Zeit später der andere. Wer kennt das nicht... Am Ende sind wir uns aber alle einig: Mathe ist Mist! Das Problem ist ja nicht neu: Ham- burgs Schülerinnen und Schüler müssen ihre Leistungen in Ma- thematik deutlich verbessern. Bil- dungssenator Ties Rabe (SPD) hat jetzt eine Expertenkommission aus namhaften Bildungsexperten Mathe ist Mist! und Mathematik-Didaktikern aus verschiedenen Bundesländern ein- gesetzt, die Vorschläge entwickeln soll, wie der Mathematikunterricht weiterentwickelt werden kann. Ties Rabe: Bereits Ende der 90er Jahre haben die ersten wissen- schaftlichen Lernstandsuntersu- chungen gezeigt, dass Hamburgs Schülerinnen und Schüler ein Mathematik-Problem haben. Seit 2012 müssen Hamburgs Schüle- rinnen und Schüler alle zwei Jahre eine Lernstandsuntersuchung ab- solvieren, die den Lehrkräften, der Schule und der Schulbehörde sehr genau den Lernstand und damit den Lernerfolg aufzeigt. Aus den schwachen Mathematikleistungen haben wir Konsequenzen gezogen und mit der Mathematik-Offensive mehr Unterrichtsstunden, mehr Fachlehrkräfte und mehr Fortbil- dungen für Lehrkräfte auf den Weg gebracht. Jetzt wollen wir weitere Maßnahmen erörtern. Für die Expertenkommission konnte man sechs namhafte Pro- fessoren gewinnen, die Ende 2018 MAGAZIN einen Bericht vorlegen sollen. Die vier Maßnahmen der Mathematik- Offensive: 1. Mehr Matheunterricht: Zum Aufbau mathematischer Fähig- keiten benötigen Schüler vor allem eines: Zeit zum Lernen und Üben. 2. Mehr Fachlehrer im Matheun- terricht: Der Mathematikunterricht soll vor allem von Lehrkräften er- teilt werden, die das Fach Mathe- matik auch studiert haben. Deshalb unterrichten seit dem Schuljahr 2015/16 in den Jahrgangsstufen 7 und höher nur noch studierte Ma- thematiklehrkräfte Mathematik. 3. Qualifikation der Lehrkräfte stärken: Die Qualifikationsmaß- nahmen für Grundschullehrer oh- ne zweites Staatsexamen wurden ausgebaut, für Lehrer der Sekun- darstufe I wurde das Fortbildungs- angebot im Bereich Mathematik umfangreicher und spezialisierter. 4. Matheunterricht verbessern Fachleitungen stärken: Guter Ma- thematikunterricht braucht eine gute Teamarbeit der Mathematik- lehrkräfte an jeder Schule. Deshalb koordiniert an jeder Schule eine Mathematiklehrkraft als Fach- leitung diesen Prozess.So weit die Zukunftsaussichten auf eine Verbesserung des Mathematik- unterrichts. Aktuell gab es für den Schulsenator gute Nachrichten: Bei der Präsentation der Ergebnis- se einer Bildungsstudie 2016 ho- ben die Wissenschaftler Hamburg mehrfach als Vorbild hervor. Viele Jahre am Tabellenende des Län- derrankings bei Schülertests, hat der Stadtstaat dem bundesweiten Trend zu schlechteren Leistungen der Viertklässler in den Fächern Deutsch und Mathematik getrotzt. Bundesweit fielen die Leistun- gen in Mathematik um 17 Punkte auf der 500er-Skala gegenüber der Studie von 2011 zurück, der Wert in Hamburg blieb mit einem Minus von einem Punkt nahezu stabil. Hamburg kann sich klar vom schlechten Bundestrend absetzen. Kein anderes Land hat den Bundestrend so deutlich überflügelt, so ein sichtlich zu- friedener Schulsenator Ties Rabe.