MACHO Schreiben LESE-

26 | ALSTERTAL MAGAZIN Alstertal Magazin: Als international erfolgreiche Autorin sind Sie in der ganzen Welt unterwegs. Wie gut kennen Sie unsere Hanse- stadt? Kristina Ohlsson: Ich bin bereits einige Male hier gewesen, habe auch schon mal auf dem Krimifestival gelesen. Außerdem war ich in meiner Kindheit oft mit meinen Eltern mit dem Auto in Nord- europa unterwegs und irgendwann sind wir immer hier gelandet. Ich habe also viele gute Erinnerungen an Hamburg. Seit sechs Jahren sind Sie Vollzeitautorin. Der Abschied aus der politischen Arbeit ist Ihnen nicht schwer gefallen? Nein, ich mag es mein eigener Boss zu sein. Es war aber nicht ganz einfach als mein Hobby plötzlich zum Beruf wurde, weil nun der Ausgleich zur Arbeit fehlte. Deswegen versuche ich mich nun in der Fotografie. Kommen wir also zu Ihrer Reihe um Staatsanwalt Martin Ben- ner. Obwohl er quasi eine Freundin hat und die Tochter seiner verstorbenen Schwester aufzieht, versteht er sich als klischee- haften Junggesellen: Er hat Bindungsängste, kann nicht treu sein und liebt seinen Porsche. Wie würden Sie die Erfahrung be- schreiben zwei Romane aus seiner Perspektive zu schildern? Das war großartig! Der Roman ist aus der Ich-Perspektive erzählt. Das bedeutet ich war beim Schreiben Martin Benner. Also ein großgewachsener Anwalt und zudem schwarz, denn sein Vater ist Afroamerikaner. Er ist es gewohnt, alles zu bekommen, was er will und wann er es will. Und er kennt es nicht zu versagen. Als ich mit dem Schreiben begann, fühlte ich, dass das eine Erfahrung ist, die er noch machen muss. An einer Stelle meint Benner die schwedische Gesellschaft würde wegen seiner guten Kleidung und seines Autos nicht vermuten, dass er erfolgreich ist, sondern sich fragen, was hier nicht stimmt, weil er schwarz ist. Die Meinung einer Romanfigur oder würden Sie sagen, dass die schwedische Gesellschaft tatsächlich so ist? Als weiße, blonde Frau habe ich diese Erfahrungen natürlich nicht gemacht. Und Benner hat die Neigung, zu übertreiben. Aber da ist schon etwas dran. Es gibt diesbezüglich leider eine Entwicklung in eine Richtung, die uns nicht gut tut. Benner ist erfolgreich, verdient gut und zahlt Steuern, ist als Staatsanwalt Teil des Systems trotzdem begegnet er immer wieder Argwohn. Und das ist unfair. Absolut, ja. Werden wir Benner wieder begegnen? Oder ist nach den zwei Bänden Schluss? Es wird definitiv noch ein Buch mit Benner geben. Schon weil ich beim Schreiben so viel Spaß hatte. Dabei ist mir etwas Großartiges gelungen und ich habe den Eindruck, dass ich mich mit den bisherigen Büchern auf dieses Schreibprojekt vorbereitet habe. Wolfgang Wagner Beim Schreiben wird sie zum MACHO Sie zählt zu den erfolgreichsten Krimi- Autorinnen Schwedens: Kristina Ohlsson. Im Rahmen des Krimifestivals war die 38-Jährige in Hamburg zu Gast. Wir nutzten die Gelegenheit und trafen sie, um mit ihr über ihre Krimi-Reihe um Staatsanwalt Martin Benner zu sprechen. D ie studierte Politik- und Staatswissenschaftlerin Kris-tina Ohlsson arbeitete zur EU-Außenpolitik und zu Nahost-Fragen für das Schwedische Außenministerium und für die OSZE in Wien. Allein in Deutschland hat sie 500.000 Romane verkauft. Die zweibändige Martin Benner-Reihe erzählt den Fall der Sara Tell, die fünf Morde gestanden und sich das Leben genommen hat. Benner soll nun ihre Unschuld beweisen, gerät aber wäh- rend der Ermittlungen, die ihn bis nach Texas führen, selbst in Lebensgefahr. LESE- UND GESCHENKTIPP Die Martin Benner- ROMANE: Bruderlüge, 2017, Limes Verlag, 448 S., 14,99 , Kindle 9,99 Schwesterherz, 2017, Limes Verlag, 481 S., 14,99 , Kindle 9,99 A nn a -L en a A hl st rö m MAGAZIN