FLÜCHTLINGSHEIM KZ-ÜBERRESTEN Pferdekoppel

28 | ALSTERTAL MAGAZIN MAGAZIN FLÜCHTLINGSHEIM AUF KZ-ÜBERRESTEN? Auf einer Pferdekoppel in Sasel soll ein Flüchtlingswohnheim gebaut werden. Saseler Bürger wehren sich dagegen. Denn einiges spricht dafür: Auf diesem Gebiet könnte sich einst das KZ Sasel befunden haben und im Boden noch Gebeine jüdischer Opfer liegen! D ass sich Hamburger gegen ein geplantes Flücht-lingswohnheim in ihrer Nachbarschaft wehren, tritt in den letzten Jahren gehäuft auf. Auch die Fläche zwischen Feldblumenweg und Melling-burgredder in Sasel ist umkämpft. Wir berichteten bereits darüber, dass Anwohner monieren, die schmale Fläche, ursprünglich als S-Bahn-Trasse vorgesehen, eigne sich kaum für derartige Bebauung und sei infrastrukturell auch schwer erschließbar eine große Belastung für die Steuerkasse. Doch ein viel schwerwiegenderer Punkt könnte gegen die Bebau- ung der bisherigen Pferdekoppel sprechen. Mehrere Saseler sind überzeugt: Auf dieser Fläche lag das KZ Hamburg-Sasel, auf dem hunderte überwiegend polnische Jüdinnen inhaftiert waren, die zu Zwangsarbeiten im Stadtgebiet eingesetzt wurden. Luftbilder aus den Nachkriegsjahren decken sich mit Zeitzeugenbeschrei- bungen über die Größe des Lagers, die u.a. bei Recherchen des Gymnasiums Oberalster Anfang der 80er-Jahre gesammelt wurden. Diverse nachfolgende Publikationen der Stadt bestätigen ebenfalls diesen historischen Sachverhalt. Außerdem sollen auf dem Gebiet in den vergangenen Jahrzehnten angeb- lich Fundamente, Geschirr und sogar menschliche Knochen gefunden worden sein! Besonders letzteres würde eine eventuelle Bebauung vor ein ethisches Problem stellen, denn wenn wirklich noch Gebeine jüdischer Zwangsarbeiterinnen im Boden lägen, gälte die Fläche nach jüdischem Glauben als Friedhof, und die Gebeine dürften nicht berührt, geschweige denn exhumiert werden. Die Anwohner wandten sich an die zuständigen Stellen, schrieben auch Briefe an Senat sowie mehrfach an den Ersten Bürgermeister und hielten einen Vortrag im Bezirksamt Wandsbek. Sie boten sogar an, in Zusammenarbeit mit Holocaust- Überlebenden eine privat finanzierte Gedenkstätte auf dem Gebiet einzurichten bisher ohne Erfolg. Auf Anfrage des Alstertal Magazins erklärte das Bezirksamt Wandsbek, dass sich nach ihren Erkennt- nissen das KZ nicht auf der Pferdekoppel befunden habe, sondern in einem Bereich östlich davon, der zudem bereits bebaut ist. Dafür, dass sich in dem zu bebauenden Bereich Überreste befinden, lägen für das Bezirksamt außerdem bisher keine Verdachtsmomente vor. Diese Aussage finden die Bürger nicht glaubhaft die von etlichen Zeitzeugen bis heute bestätigte Größe ergebe im Hinblick auf die Menge der Insassen viel mehr Sinn als das kleinere Areal, auf dem das Bezirksamt das KZ verortet. Zudem widerspricht dem die Positionierung einer SS-Wachbaracke, die sogar heute noch vor der Pferdekoppel steht. Wäre das KZ in dem Gelände neben der Koppel gewesen, hätte dieser Standort keinen Sinn. In Relation zum vom Bezirksamt angenommenen Gelände würde sie dann entfernt vom KZ frei in der Landschaft stehen. Dennis Thering von der CDU Alstertal kennt die Probleme mit dem Gebiet, dessen Bebauung für ihn schon aus den vorgenannten infrastrukturellen Gründen keinen Sinn ergibt. Außerdem findet auch er: Die Luftbilder und zusammengetragenen Unterlagen sprechen sehr dafür, dass sich auf der heutigen Pferdekoppel ein KZ befunden haben könnte. Er fordert einen Stopp der laufenden Planung und Klärung der offenen Fragen. Wie es mit dem Gelände weitergeht, ist so oder so vorerst offen. Laut dem Zentralen Koordinierungsstab Flüchtlinge wird zunächst ein Umweltgutachten erstellt, dessen Ergebnisse erst im Oktober feststehen. Dann soll eine abschließende Aussage zum Vorgehen getroffen werden. cl Skizze der KZ-Anlage nach Zeitzeu- genberichten. Deckt sich das Gelände mit der zu bebau- enden Fläche? Bisher erinnert ein von Schülern gestifte- ter Gedenkstein an die Verbrechen des KZ Sasel. Wo genau es lag und was dort noch im Boden zu finden sein könnte, darüber streiten sich Bürger und Politik.