Sprache Musik Tanz

18 | ALSTERTAL MAGAZIN Fürs ZDF schlüpft er in die Rolle des Privatdetektivs, im Torhaus Wellingsbüttel liest Wanja Mues aller- dings den Literaturklas- siker Steppenwolf von Hermann Hesse. Ein Tanz von Sprache und Musik Schauspieler Wanja Mues ist im Theater und TV (Ein Fall für zwei, Stralsund) zu Hause. Am 17. Oktober liest er im Torhaus Wellingsbüttel zu Live-Cello-Begleitung aus Hesses Steppenwolf . Wir sprachen mit ihm über die Faszination dieses Buches, Jazz und das typische Steppenwolfgefühl. Alstertal Magazin: Hermann Hesse hatte schon selbst beklagt, dass der Steppenwolf, in dem es um die Nöte eines Herren mitt- leren Alters geht, zu oft jungen Menschen in die Hände fällt und deshalb missverstanden wird. Wie alt waren Sie, als Sie das Buch zum ersten Mal lasen? Wanja Mues: Wir hatten den Steppenwolf als Schullektüre. Da muss ich etwa 16 oder 17 Jahre alt gewesen sein. Die volle Wirkung des Buches hat sich mir aber erst entfaltet, als Stephan und ich vor ein paar Jahren vom Hermann-Hesse Haus in Gaienhofen den Auftrag bekamen, zum Thema Hesse und der Jazz einen Abend zu konzi- pieren. Wie würden Sie dieses neue Verständnis beschreiben? Die Sprache Hesses hat sich mir mit dem Älterwerden zunehmend entschlossen. Die Geschichte selbst ist alterslos und berührt seit Ge- nerationen die Menschen allen Alters. Nicht von ungefähr ist und bleibt der Steppenwolf eines der erfolgreichsten Bücher Hesses gera- de auch bei der jüngeren Leserschaft. Warum gerade bei Jüngeren? Wie erklären Sie sich diese Faszination? Dazu müssen Sie es selbst lesen. Das Gefühl, das das Buch dem Leser mitgibt und die Reise, die der Leser durch das Buch machen darf, lässt sich nicht in zwei Sätzen beschreiben. Das würde jetzt den Rahmen sprengen. Wie gesagt, selber lesen, oder noch besser, ein- fach am 17. Oktober ins Torhaus in Hamburg kommen und von mir vorgelesen bekommen, um das Steppenwolfgefühl am eigenen Leib zu erfahren. Marcel Reich-Ranicki erklärte zum Steppenwolf: Als ich ihn in meiner Jugend zum ersten Mal las, war ich entzückt, nach der zweiten Lektüre enttäuscht und nach der dritten entsetzt. Können Sie das nachvollziehen? Das lässt mich schmunzeln. Eine klassische Reich-Ranicki Provoka- tion. Aber auch der Literaturpapst ist nicht unfehlbar gewesen, selbst wenn er das ernst gemeint haben sollte. Ich muss ihm hier jedenfalls deutlich widersprechen. Hesse steckte viel von sich selbst in die Figur des Harry Haller. Wie viel Wanja Mues werden Sie bei Ihrer Lesung dem Stoff hinzufügen? Wie immer stecken in unserem Abend 150% Wanja Mues und noch mal genauso viel Stephan Braun. Unsere gemeinsamen Abende stecken immer voller spontaner und unberechenbarer Momente mit- einander. Sie müssen sich das vorstellen wie ein Tanz von Sprache und Musik, in dem durch das Miteinander von großer Literatur und virtuosen, jazzigen Improvisationen auf dem Cello eine einzigartige Mischung entsteht. Eine Mischung, die dem Zuhörer einen Abend beschert, der im besten Fall einen dauerhaft bleibenden Eindruck hin- terlässt und ihm im schlechtesten Fall einfach nur einen unterhalt- samen und besonderen Abend beschert. cl MAGAZIN Die Live-Performance von Wanja Mues und dem Cellisten Stephan Braun findet am 17. Oktober um 19.30 Uhr im Tor- haus Wellingsbüttel, Wellingsbüttler Weg 75, statt. Eintritt 21 Euro (für Mitglieder 19, für Schüler und Studenten 10 Euro). Infos und Kartenvorbestellung unter Tel. 040 536 12 70 und www.kulturkreis-torhaus.de STEPPENWOLF IN WELLINGSBÜTTEL S te fa n K lü te r